Indien im Aufbruch

Ekta-Parishad ist eine indische Volksbewegung gegen Gewalt, die sich mit Friedensmärschen für die Landrechte der an den Rand gedrängten Bevölkerung einsetzt: arme und nahezu landlose Bauern, kastenlose und waldbewohnende Stammesgruppen. Rajagopal ist ihr Gründer und Initiator. Karl-Julius Reubke hat ihn auf vielen seiner Märsche begleitet und schildert eindrücklich seine Erlebnisse und Erfahrungen, dokumentiert durch zahlreiche Abbildungen. Ekta Parishad macht es sich zur Aufgabe, den örtlichen Gemeinschaften die Verfügungsgewalt über ihre Lebensgrundlagen wiederzugeben, die ihnen durch Waldrodungen und die fortschreitende Industrialisierung genommen wurden - und werden. Die Menschen brauchen Trinkwasser, Nahrung und vor allem ein Stück Land, um davon zu leben, darauf zu arbeiten und sich davon zu ernähren, denn Armut bedeutet hier Landlosigkeit. Darum ist der vordringlichste Ruf: »land first!« Der Leser gewinnt im Verlauf der Darstellung Einblicke in die Lebensweise der armen Bevölkerung und erfährt in vertiefenden Kapiteln vieles über die Kultur, die Geschichte, Religion und die Sprachen des Landes. Der Weg Rajagopals in der Nachfolge Gandhis ist ein Weg der Gemeinschaft in die Zukunft, wobei er aber nicht als Guru auftritt, dem die anderen folgen sollen, sondern als einer, der die anderen mitnimmt. Er regt die Menschen an, aus eigener Initiative handelnd in der Gemeinschaft zu wirken. Sie sollen ein Gleichgewicht herstellen zwischen dem Verbrauch und der Regeneration ihrer Ressourcen, wie es in alten Zeiten bestand, um nicht zuletzt auch ihre Stammeskultur zu schützen. An Rajagopals Erfolgen und den Reaktionen der Menschen, die durch seine Fragen und Reden Eigeninitiative entwickeln, wird deutlich, welch kulturell-soziale Samenkraft in den Ärmsten der Armen in Indien verborgen liegt.